Was ein guter Dolmetscher leistet
Ein erfahrener Dolmetscher versteht nicht nur Wörter, sondern Menschen. Er merkt, wenn der Prediger ironisch ist, wenn eine Geschichte traurig wird oder wenn ein Satz nur im Zusammenhang Sinn ergibt. Er kennt die Bibelstellen, die zitiert werden, und weiß, wie sie in der Lutherbibel oder der Einheitsübersetzung klingen, oder eben in der ukrainischen oder arabischen Bibel. Und er kann nachfragen.
Das hat seinen Preis. Professionelle Dolmetscher werden in der Regel pro halben oder ganzen Tag gebucht und kosten deutlich mehr als ein Software-Abo. Für Simultandolmetschen braucht man außerdem eine Anlage und oft zwei Personen pro Sprache, die sich abwechseln. Ehrenamtliche Dolmetscher aus der Gemeinde sind ein großes Geschenk, aber sie sind nicht jeden Sonntag da, und nach einem Jahr ist die Energie oft aufgebraucht.
Was eine KI-Übersetzung leistet
Eine KI-Übersetzung wie ChurchTranslate erkennt das gesprochene Wort, übersetzt es und gibt es als Stimme auf dem Handy der Besucher wieder, mit Untertiteln dazu. Sie ist jeden Sonntag verfügbar, wird nicht müde, und sie übersetzt in mehrere Sprachen gleichzeitig. Wer Ukrainisch hört, sitzt neben jemandem, der Arabisch liest.
Die Schwächen sind ebenfalls klar. Die KI versteht keinen Humor so wie ein Mensch, sie verwechselt gelegentlich Namen, und theologische Begriffe sind ihr schwierigster Teil. ChurchTranslate arbeitet mit einer Begriffsliste für Bibelnamen und kirchliche Begriffe und korrigiert bekannte Begriffe in den Untertiteln, aber Fehler kommen vor. Und die KI kann nicht nachfragen.
Der Vergleich in einer Tabelle
| Dolmetscher | KI-Übersetzung (ChurchTranslate) | |
|---|---|---|
| Kosten | Meist pro halben oder ganzen Tag gebucht, deutlich teurer als ein Abo; Ehrenamtliche kostenlos, aber begrenzt verfügbar | Ab €65 im Monat für 480 Minuten in 1 Sprache; nur Minuten mit Zuhörern zählen |
| Verfügbarkeit | Muss für jeden Termin organisiert werden | Jeden Sonntag, auch kurzfristig |
| Sprachen gleichzeitig | Eine Person pro Sprache, oft zwei im Wechsel | Mehrere Sprachen parallel, aus 11 Zielsprachen |
| Technik | Konsekutiv: keine. Simultan: Kabine, Sender, Empfänger | Laptop oder Handy, Ton vom Mischpult, Smartphones der Besucher |
| Länge der Predigt | Konsekutiv: etwa doppelt so lang | Unverändert, wenige Sekunden Verzögerung |
| Namen und Theologie | Sicher, wenn der Dolmetscher vorbereitet ist | Meist gut, aber Fehler bei Namen und Fachbegriffen möglich |
| Ton und Emotion | Trägt Ironie, Trauer und Wärme mit | Sachlich, Gefühl kommt nur teilweise an |
| Gespräch und Rückfragen | Möglich, in beide Richtungen | Eine Richtung: vom Redner zu den Zuhörern |
| Nachlesen | Nur wenn jemand mitschreibt | Transkript im Archiv, auf Wunsch per E-Mail |
Wann ein Dolmetscher die bessere Wahl ist
- Seelsorge und persönliche Gespräche: Wenn es um Schuld, Trauer, Gewalt oder Glauben im Innersten geht, braucht es einen Menschen, der zuhört und nachfragt.
- Trauerfeiern und sehr emotionale Momente: Bei einer Beerdigung zählt jedes Wort und jeder Tonfall. Ein Dolmetscher kann Mitgefühl mittragen.
- Situationen mit rechtlichem oder medizinischem Gewicht: Taufgespräche mit Formalien, Trauvorbereitung mit Unterlagen, alles, was später nachweisbar sein muss.
- Dialoge: Diskussionsrunden, Gemeindeversammlungen mit Abstimmungen, Fragerunden nach einem Vortrag.
Wann die KI-Übersetzung die bessere Wahl ist
- Der normale Sonntagsgottesdienst: Jede Woche, mit Predigt, Lesungen, Gebeten und Abkündigungen.
- Mehrere Sprachen gleichzeitig: Wenn in der Gemeinde Ukrainisch, Arabisch und Englisch gebraucht werden, ist das mit Dolmetschern kaum zu organisieren.
- Wenige Zuhörer pro Sprache: Für zwei Personen einen Dolmetscher zu buchen, lohnt sich selten. Eine Sprache in der App kostet dasselbe, ob einer oder fünfzig zuhören.
- Gastredner: Kein Satz-für-Satz-Dolmetschen, die Predigt behält ihre Länge und ihren Rhythmus.
Was Ehrenamtliche über die Umstellung sagen könnten
Wer jahrelang jeden Sonntag gedolmetscht hat, kann eine KI-Übersetzung auch als Kränkung empfinden. Sprechen Sie deshalb mit Ihren Dolmetschern, bevor Sie etwas ändern. Ihr Wissen bleibt wertvoll: Sie wissen, welche Begriffe in ihrer Sprache heikel sind, sie hören, wenn die Übersetzung danebenliegt, und sie können im Transkript Fehler korrigieren. Viele werden froh sein, nicht mehr jede Woche eingeplant zu sein.
Fragen, die Sie vorher in der Gemeinde klären sollten
Ob Dolmetscher, KI oder beides: Die Entscheidung fällt leichter, wenn Kirchenvorstand, Pfarramt und Technikteam ein paar Fragen gemeinsam beantworten.
- Wer hört zu, und wie oft? Eine ukrainische Familie jeden Sonntag ist eine andere Situation als eine Delegation aus der Partnerkirche einmal im Jahr.
- Welche Sprachen werden wirklich gebraucht? Fragen Sie nach, statt zu schätzen. Manchmal verstehen Gäste aus Afrika gut Französisch oder Englisch, und eine zusätzliche Sprache ist gar nicht nötig.
- Wer kümmert sich sonntags um die Technik? Die KI-Übersetzung braucht wenig Aufwand, aber jemand muss die Übertragung starten, den Ton prüfen und bei Gastrednern die Sprache umstellen.
- Wo liegen die Grenzen? Legen Sie fest, wann Sie trotzdem einen Dolmetscher holen, zum Beispiel bei Trauerfeiern, Taufgesprächen oder Gemeindeversammlungen mit Abstimmung.
- Wie gehen Sie mit dem Datenschutz um? Ihr Datenschutzbeauftragter sollte wissen, wie die Daten verarbeitet werden. Die Fakten dazu stehen im Ratgeber Gottesdienst übersetzen: so geht's.
Beides kombinieren
Viele Gemeinden müssen sich nicht entscheiden. Die KI-Übersetzung trägt den Sonntag, und das ehrenamtliche Team mit Sprachkenntnissen kümmert sich um das, was Menschen besser können: Begrüßung, Gespräche beim Kirchkaffee, Seelsorge und Begleitung zu Behörden. So werden die Dolmetscher nicht mehr jeden Sonntag gebraucht und haben Kraft für die Momente, in denen es wirklich auf sie ankommt.
Wenn Sie es ausprobieren möchten: Der Ratgeber Gottesdienst übersetzen: so geht's beschreibt die Einrichtung, und nach der Registrierung gibt es einen kostenlosen Probegottesdienst von 10 Minuten. Die Kosten im Detail finden Sie unter Kosten der Gottesdienst-Übersetzung.